Freitag, 17. Juni 2016

über die Anden bis in den Dschungel



Bisher gefahrene Kilometer: 29500

Ecuador Teil 2

Auf dem Weg nach Latacunga liegt die Lagune Quilotoa. Wir machten den kleinen Schlenker um dort ein bisschen Wandern zu gehen. Die Lagune liegt jedoch auf knapp 4000m, weshalb wir, direkt von der Küste kommend, recht schnell außer Atem waren und nur eine kleine Runde liefen. Außerdem fing es an zu regnen, weshalb wir den Rest des Tages gemütlich im warmen Alfonso verbrachten. Vor der Tür kamen immer wieder Straßenhunde vorbei, unter anderem auch ein kleiner brauner Welpe. Nach kurzer Zeit kam Flo mit dem Welpen auf dem Arm in Alfonso und wir verliebten uns auf der Stelle in die Kleine. Sie schlief auf seinem Schoß ein und genoss es im Warmen und Trockenen zu sein. Wir konnten sie einfach nicht mehr in die Kälte rausschicken und beschlossen sie mitzunehmen, sie zu impfen und dann eine Adoptivfamilie zu suchen oder wenn's geht sie selbst mitzunehmen. Also wurde sie gründlich gewaschen, warm eingepackt und schlief die erste Nacht in Alfonso. Wegen ihres wuscheligen und ganz weichen Fells tauften wir sie Lana, was auf Spanisch Wolle bedeutet. Bevor wir sie tatsächlich mitnahmen fragten wir noch die Anwohner, ob sie wirklich keinen Besitzer hat, was diese bestätigten.
Und sie ist ein wirklich klasse Hund! Nach einem Tag stubenrein, liebt Autofahren (am liebsten aus dem Fenster schauend mit flatternden Ohren), hört perfekt auf unsere Kommandos, folgt uns problemlos bei Wanderungen in der Natur, sowie im Gedränge der Städte und hat einen riesen Spaß daran wenn Flo einen Knochen im Gras versteckt und sie ihn suchen darf. Seit dem sind wir also dabei uns zu informieren, wie das mit dem Import nach Deutschland funktioniert und wenn alles klappt lernt ihr sie bald kennen.

In Latacunga wollten wir die Mutter unseres ecuadorianisch-aachener Freundes Rodrigo besuchen und außerdem Pablo, Flos Freund aus Mexiko, mit seiner Freundin treffen. Rodrigos Mutter empfing uns unglaublich herzlich, servierte uns ein leckeres Mittagessen und anschließend gingen wir gemeinsam in die Stadt um Lana zu impfen und Pablo abzuholen. Isabell bestand darauf, dass wir alle im Haus schlafen, und wir hatten sehr viel Spaß beim abendlichen "Uno" spielen und Gesprächen über die deutsche und ecuadorianische Kultur. Den Tag darauf fuhren wir zum nahe gelegenen Vulkan Cotopaxi. Wir wanderten, spielten mit Lana und fuhren am Nachmittag auf der "ruta de los volcanes" (Straße der Vulkane) weiter zu den Iliniza Vulkanen. Dort erwartete uns die erste Straße, die Alfonso nicht schaffte. Auf knapp 4000m, steil und matschig. Wir versuchten es mit Schieben und Brettern unter den Reifen, gaben jedoch nach einer Weile auf und parkten auf halber Strecke. Dann gab es leckeren, frisch gebackenen Apfelkuchen mit heißer Schokolade und anschließend mexikanischen Tequila. 
Fürs Frühstück sammelten wir Pilze und verschiedene, essbare Blätter und Blüten und machten damit ein leckeres Rührei. Wir spazierten über die Wiesen und genossen das traumhafte Wetter und die Aussicht. Lana hatte einen riesen Spaß und hüpfte durch das hohe Gras, blieb aber immer in unserer Nähe. Mittags fuhren wir zurück nach Latacunga, wurden von Isabell lecker bekocht und weiter ging´s nach Baños.
Dort angekommen parkten wir neben einem Thermalbad. Leider war das jedoch nicht so romantisch wie wir es uns vorgestellt hatten, sondern eher ein Freibad mit Thermalwasser. Wir sparten uns also den Eintritt und badeten im Fluss. Auf dem Rückweg erwartete uns ein kleines Abenteuer, denn Flo wurde von einem Skorpion gestochen. Wir fuhren also noch zum Krankenhaus, wo er eine Kortisonspritze bekam und übernachteten gegenüber, um es im Zweifelsfall nicht weit zu haben. Der Skorpion war jedoch Gott sei Dank ungefährlich und für Flo nur wie ein Bienenstich.
Am nächsten Tag schlenderten wir durchs Dorf und anschließend sprangen Flo, Gina und Pablo nacheinander von einer 100m hohen Brücke – mit einem Seil gesichert versteht sich. Helen durfte wegen ihres Rückens nicht Bungee Jumpen, weshalb sie eine gute Ausrede hatte. Nachmittags fuhren wir die "ruta de las Cascadas" (Straße der Wasserfälle) mit einer wunderschönen Aussicht. Am Abend parkten wir neben einem Fluss und einer Mandarinenplantage.
Am nächsten Morgen lernten wir den Mandarinenbauer kennen und er führte uns über sein Grundstück und pflückte uns auf dem Weg eine riesen Tüte Mandarinen, Baumtomaten und Zitronen. Als kleine Revanche luden wir ihn auf einen Kaffee in Alfonso ein und schenkten ihm selbstgemachte Schokolade.

Das nächste Ziel war Riobamba. Dort verabschiedeten wir uns von Pablo und Gina, die weiter an die Küste wollten. Wir besuchten Paola  mit ihrer Familie, Flos Bekannte aus Aachen. Paolas Sohn ist schwer behindert, und wird in Aachen von einem deutschen Arzt gratis operiert, weshalb Andrés & Paula oft in Deutschland sind. Flo kennt die Beiden, da er immer wieder als Übersetzer geholfen hat. Bei der Familie angekommen wurden wir herzlich empfangen. Nach dem Abendessen spielten wir bis spät in die Nacht: erst Schach, dann Skipbo, dann Halligalli dann Memory. Für den nächsten Tag hatten wir einen kleinen Stadtbummel geplant und gingen anschließend Essen. Die Spezialität Ecuadors: Cuy (gebratenes Meerschweinchen). Gar nicht mal so übel, auch wenn es zumindest Helen ziemlich Überwindung gekostet hat. Wir verabschiedeten uns und fuhren weiter die Panamericana nach Cuenca.

In Cuenca bummelten wir durch die wunderschöne Altstadt und kauften uns die typischen Panama Hüte, die jedoch in Ecuador v.a. in Cuenca produziert werden. Am nächsten Tag fuhren wir in den Nationalpark "Las Cajas" wo wir eine kleine Wanderung machten. Eine wunderschöne Hügel und Seenlandschaft, aber auf 4000m sind schon kleine Anstiege, zumindest für Helen, eine echte Herausforderung. Wir sahen eine Gruppe Lamas, die ganz begeistert waren von Lana und immer näher kamen, die wiederum hatte Angst vor den unbekannten Tieren und versteckte sich hinter Flo.

Generell gibt es in Ecuador unglaublich viele Nationalparks und fast alle sind gratis. Ecuador ist zwar ein ziemlich kleines Land in Südamerika, hat aber Alles zu bieten. Von traumhaften Inseln über schöne Strände, die gigantischen Anden, Vulkane, bis zum wilden Dschungel des Amazonas. 
Wir verließen das Land also nach einem Monat mit vielen tollen Eindrücken, neuen Bekanntschaften, kiloweise Kakao und einem super tollen, kleinen Hund.
Um uns den lästigen und teuren Papierkram für die Grenzüberquerung zu sparen, zogen wir Lana kurz vor der Grenze einfach das Halsband aus und tarnten sie dadurch als Straßenhund. Während Flo die Papiere für Alfonso erledigte, spazierte Helen mit ihr einfach rüber nach Peru.

Der Dschungel in Peru

In Peru angekommen war die Landschaft schon wieder ganz anders. Wir fuhren durch eine Art Wüste ohne einen Berg weit und breit, bis wir wieder auf die Anden zusteuerten. Diese überquerten wir um ins Amazonasgebiet zu kommen. In den ersten Fahrtagen machten wir auch direkt wieder Bekanntschaft mit den Polizisten des Landes. Allesamt waren jedoch super freundlich und gaben uns gute Tipps für die Weiterreise. Von der Grenze waren es gut 1000 Kilometer und 4 Tage bis wir in Yurimaguas ankamen – die letzte Stadt im Dschungel, die per Landweg erreichbar ist.

Dort stellten wir Alfonso ab und machten eine 3 Tages Dschungeltour mit einem Einheimischen als Guide. Mit einer Fähre fuhren wir 13 Stunden nach Lagunas, gemeinsam mit zahlreichen Hühnern, Eisklötzen als Kühlschrankersatz für die Einheimischen und weiterer Waren, die es im Dschungel nicht gibt. In Lagunas angekommen holte uns Democrito, unser Guide am Hafen ab, wir fuhren zum Haus der Familie und bekamen noch ein kleines Abendessen. Am nächsten Morgen um 8 Uhr ging's los. Wir packten unsere Sachen und beluden das kleine Fischerboot. Die meisten der kleinen Boote sind aus nur einem Holzstamm geschnitzt und manche davon mit einem Motor ausgestattet.
Eingepackt wurden v.a. Moskitonetz, Matratzen, Kiloweise Reis und Kochbananen und ein Fischernetz und los geht's!

Democrito saß am Steuer und wir konnten es uns bequem machen, genossen die Aussicht, streckten unsere Bäuche in die Sonne und Lana suchte sich ein schattiges Plätzchen. Nach einer Weile kamen wir zu einer Stelle wo sich die kleineren, grau-rosanen Delfine tummelten. Wir machten den Motor aus und schauten ihnen zu. Wirklich beeindruckend, wie nah die Delfine zu den Booten kamen. Dann ging es ab vom großen Fluss in einen Kleineren, der in eine Lagune mündete. Der Nebenfluss war von wildem Urwald gezäumt, so dass wir uns teilweise unter umgefallenen Bäumen bücken mussten und durch ein Meer von Wasserpflanzen fahren. Die Luft war erfüllt von den Stimmen des Urwalds: Papageien, Grillen, Frösche, Affen die in den Bäumen raschelten, das klatschen des Wassers wenn hier und da ein vom Piranha gejagter Fisch aus dem Wasser sprang.
Angekommen an der Lagune suchten wir uns einen Platz zum übernachten und bauten das Lager auf: mit großen Palmblättern legten wir eine Fläche aus um darauf unsere Matratzen und Moskitonetze aufzubauen. Dann spannten wir eine Plastikplane über in die matschige Erde gerammte Baumstämme und banden sie mit Lianen fest. Es sah zwar nicht nach Regen aus, aber sollte er kommen, konnte er uns nichts anhaben. Wir waren sehr froh über Tines Moskitozelt, da so weder Moskitos, Spinnen und andere Krabbeltiere uns einen Besuch abstatten konnten. Und trotzdem lagen wir unter dem klaren Sternenhimmel.
Als das Lager aufgebaut war fuhren wir nochmal kurz raus um das Netz auszulegen um Fisch fürs Frühstück zu fangen. Vor dem Schlafengehen wollte Flo noch eine Runde schwimmen. Kam aber recht schnell wieder aus dem Wasser, da duzende kleine aggressive Fische seine Nippel anknabberten. Helen entschied sich also für den schnellen Eimer am Ufer. Wegen der Moskitos ging das jedoch auch recht schnell.
Die Nacht war wirklich ein Erlebnis. Das Gefühl mitten im Dschungel zu liegen, zwischen allerlei wilden Tieren, unbekannten Krabbelkäfern, Glühwürmchen und in einem Schwarm von Moskitos, denen es egal ist ob man in Autan gebadet hat. Als erstes am Morgen holten wir das Netz ein. Da Lana mit einem Fischskelett das sie gefunden hatte beschäftigt war und nicht mit aufs Boot wollte sind wir ohne sie los. Schon nach kurzer Zeit sahen wir, wie sie sich am Ufer durch das Dickicht schlug um mit dem Boot mitzulaufen. Sie schaute uns immer wieder mit ihren Knopfaugen traurig an, fiebte und versuchte ins Wasser zu gehen um zu uns zu kommen. Glücklicherweise traute sie sich aber nicht, wer weiß, ob Hund eine Piranha Delikatesse ist.

Wir hatten einen großen Fang: bestimmt 6 "Panzerfische" von denen man jedoch nur die Hälfte essen kann, weshalb wir nur 2 behielten, 5 Fische verschiedener Sorten und 4 kleine Piranhas, wovon wir jedoch auch nur 1 aßen, da alle noch recht klein waren. Als wir den ersten Piranha ins Boot geholt hatten wollte Flo natürlich gleich testen, wie spitz sein Zahn denn wirklich ist. Dabei unterschätzte er jedoch, dass der Fisch auch außerhalb des Wassers unglaublich schnell ist und kassierte eine tiefe Bisswunde im Finger. Zurück an Land machten wir ein Feuer und kochten den Fisch zusammen mit Kochbananen in einer Brühe aus Zwiebeln, Tomaten und Salz. Unser ganzes Essen kochten wir mit dem Flusswasser, dass wirklich nicht besonders appetitlich aussieht, da es ziemlich braun und schlammig ist. Das Essen schmeckte jedoch richtig lecker. Wahrscheinlich verfeinerte die einzigartige Umgebung den Geschmack. Nach dem Essen packten wir alles zusammen und fuhren weiter flussabwärts. Da gerade Sommerbeginn im Amazonasgebiet ist, sinkt der Wasserspiegel mehrere Meter. Die Ufer waren also unglaublich schlammig und immer wieder bricht ein Stück vom Ufer ab und fällt ins Wasser. Aus diesem Grund werden die Flüsse jedes Jahr breiter. 

Während Democrito das Boot zum "Rio Negro " steuerte machten wir es uns auf bequem. Dort angekommen tummelten sich die großen, rosanen Delfine im Wasser. Der "Rio Negro" (schwarzer Fluss) macht seinem Namen alle Ehre: mit einem Schlag ist das Wasser nichtmehr trübbraun sondern klar und erscheint schwarz. Das Wasser kommt aus den Bergen und ist deshalb besonders sauber, vermischt mit der Dschungelerde und den Pflanzen die regelmäßig ins Wasser kippen hat das Wasser eine klare, dunkle Farbe. Da es langsam dunkel wurde übernachteten wir in dem kleinen Dorf am Flussufer. Wir durften unsere Matratzen und Moskitonetze in einem der Häuser aufstellen und mussten kein aufwändiges Nachtlager bauen. Im Nachhinein hat uns die Nacht im Freien jedoch am besten gefallen. Wieder legten wir das Netz für unseren Frühstücksfisch aus.

Noch vor Sonnenaufgang standen wir auf und holten das Netz ein. Diesmal war der Fang nicht so groß, aber genug fürs uns drei. Unter anderem war ein halber Fisch im Netz. Da kam uns ein Piranha zuvor und hat den Fisch verspeist. Auf dem Rückweg machten wir bei den rosa Delfinen halt und beobachteten sie eine Weile. Immer wieder kamen sie laut prustend und platschend aus dem Wasser um Luft zu holen. Direkt neben und manchmal auch unter dem Boot stiegen Luftblasen auf und man wusste genau, dass dort gerade ein Delfin vorbeischwimmt. Als sich langsam unsere Mägen meldeten fuhren zurück ins Dorf um unser Frühstück zu machen. Kochen konnten wir auf der Feuerstelle in der Küche – into the wild deluxe eben.

Anschließend fuhren wir flussaufwärts zurück nach Lagunas. Auf dem Weg machten wir an einer Stelle halt, wo der "Ojé" Baum wächst. Dessen Saft, gemischt mit Alkohol und Zucker soll ein wahres Wunderelixier sein. Es hilft gegen Parasiten und gibt einem nebenbei ganz neue Lebenskraft. Wir wollen das natürlich ausprobieren, weshalb Democrito mit uns ein paar der Bäume suchte und wir den Saft sammelten. Mit der Machete schlugen wir Furchen in die Rinde und sammelten das weiße Blut des Baumes. Es war gar nicht so einfach die Tropfen einzufangen und wir waren bestimmt 2 Stunden beschäftigt um 200ml zu sammeln. Lana tobte in der Zeit wie wild durch den Dschungel, hüpfte durch das Dickicht und wälzte sich im schlammigen Ufer und hatte einen riesen Spaß. Kurz vor Sonnenuntergang kamen wir in Lagunas an.
Wir hatten eine richtig schöne Zeit und unglaublich Glück mit dem Wetter. Zahlreiche Eindrücke, einen Haufen Moskitostiche, ein Piranha(ge)biss und eine Flasche Urwaldmedizin reicher fuhren wir zurück nach Yurimaguas. 

Dort duschten wir erstmal ausgiebig, wuschen auch Lana gründlich und machten uns auf den Weg Richtung Anden. An einer Tankstelle erlebten wir noch ein kleines Abenteuer: Bei den Tankwarten saß ein kleiner, zahmer Affe. Er setzte sich immer wieder auf Motorräder die zum Tanken vorbeikamen, gab uns die Hand, umklammerte uns mit seinem langen Schwanz und dann entdeckte er Lana. Wir mussten sie schnell in Alfonso bringen und alle Türen und Fenster zu machen, damit der Affe sie nicht erwischt, denn er mochte keine Hunde. Er kletterte Minutenlang auf Alfonso herum, blickte in die Fenster, schaute unter das Auto und suchte Lana. Die Tankwarte erzählten uns, dass der Affe aus dem gegenüberliegenden kleinen Zoo kommt und wir beschlossen noch schnell diesen Zoo zu besichtigen um uns die Urwaldtiere nochmal aus der Nähe anzuschauen, ein paar davon erkannten wir wieder...

Freitag, 27. Mai 2016

Ecuador




Bisher gefahrene Kilometer: 27000

Direkt am ersten Tag in Ecuador wurden wir in Tulcán von einer Frau auf der Straße angesprochen und für den nächsten Tag zum Essen zu ihr nach Hause eingeladen. Bei einem typischen Frühstück unterhielten wir uns über die aktuelle politische Situation, die Folgen des Erdbebens und bekamen Empfehlungen und Kontakte für unsere Weiterreise in Ecuador.
Am Nachmittag trafen wir uns mit unseren französischen Freunden, die wir in Kolumbien kennengelernt hatten und mit denen wir die folgende Woche verbrachten. In Autokolonne fuhren wir nach Otavalo, wo wir den berühmt berüchtigten Kunsthandwerkmarkt der Indigenen besuchen wollten. Nach einem erfolgreichen Shoppingtag über den wirklich schönen Markt gönnten wir uns noch ein paar ecuadorianische Leckereien: "Fritadas", ein Teller voller frittierter Dinge, die es an jeder Ecke gibt und zum Nachtisch ein "Helado de paila", ein Eis das noch nach der traditionellen ecuadorianischen Art hergestellt wird. Die Zutaten werden in einer Kupferschüssel gemischt, die wiederum in eine Wanne mit Eis & Salz gestellt wird. Dann wird die Schüssel etwa 10 Minuten lang mit viel Schwung gedreht, bis die die Masse gefriert und nach und nach zu einem cremigen Eis wird.
Am Nachmittag fuhren wir weiter nach Quito bzw. zur "Mitad del Mundo" – der Mitte der Welt. Auf einem Teil des Äquators der durch Ecuador läuft wurde ein Turm erbaut und die Linie, die die Nord- von der Südhalbkugel trennt aufgemalt. Jedoch ist der Turm wohl ein paar hundert Meter in Richtung Süden verschoben und deshalb gar nicht wirklich auf dem Äquator. Wir hatten trotzdem viel Spaß dabei von Nord nach Süd zu hüpfen.

Da Alfonso die letzten Tage immer sehr schlecht startete und lange brauchte um warm zu werden, schauten Clement (Mechaniker) & Flo sich den Motor an. Sie bastelten ein bisschen rum und konnten sogar eine Lösung finden. Das Problem liegt wohl hauptsächlich an der Höhe. Nun ist der Vergaser an die dünnere Luft angepasst und Alfonso kommt wieder etwas besser die Berge hinauf.
Während die Jungs an Alfonso bastelten kam die Besitzerin des Grundstücks vorbei auf dem wir parkten und brachte uns warme Empanadas. Wirklich sehr gastfreundlich die Ecuadorianer.

In Quito machten wir eine Free Walking Tour und lernten einige interessante Facts über Land und Leute: Wir hörten über einen Präsidenten der gemeinsam mit ein paar Bankern der Bevölkerung Milliarden an Geld gestohlen hat und nun Asyl in den USA hat, über andere Präsidenten die vom Volk hingerichtet wurden oder fliehen mussten, über die Inflation des Sucre und den alternativlosen Wechsel zum Dollar, dass Ecuador das Nr.1 Exportland von Rosen ist, dass Quito einst eine Inka Hochburg war, wegen seiner Nähe zur Sonne und vieles mehr.

Unser letzter Programmpunkt in Quito war die Besteigung des 4000m hohen Vulkan Pichincha. Die dünne Höhenluft machte das Wandern sehr anstrengend, doch die traumhafte Aussicht über Stadt und Bergpanorama entschädigte jeden Schweißtropfen. Kurzzeitig konnten wir sogar schneebedeckte Gipfel von über 5000m hohen, weit entfernten Bergen sehen.

Zu unserem letzten gemeinsamen Frühstück machten unsere Freunde französische Crêpes mit frischer Karamellcreme. Anschließend fuhren sie weiter nach Süden und wir nach Westen Richtung Mindo. Dort angekommen erkundigten wir uns in einem Touristen Büro, was man alles unternehmen kann. Neben Wasserfallwanderungen, Tubing und Canopy konnte man auch eine Schokoladentour buchen. Die 10$ pro Person schreckten uns jedoch etwas ab, so dass wir direkt zu der Schokoladenfabrik "El Quetzal" gingen und fragten, ob wir nicht als Volontäre eine Woche dort arbeiten können. Am nächsten Morgen um 8 Uhr fingen wir an.
Helen half in die Küche, wo aus der Kakaomasse die Schokolade für den Verkauf gefertigt wurde und Flo half den Jungs bei den Männerarbeiten: Kakao rösten, mahlen, eine Tonne voller Ingwer raspeln, 1000 Zitronen pressen, Ingwerbier brauen, Avocado & Macadamia Öle pressen, Tonnen schleppen, Flaschen ausspülen etc.
Helen in der Küche hatte entspanntere Aufgaben: Gießformen spülen und penibelst abtrocknen, Schokoladenmasse aufheizen, temperieren, Förmchen füllen, Schokolade abpacken, Verpackungen beschriften etc. Von Anfang bis Ende also reine Handarbeit.
Wir waren beide ganz froh mit der Aufgabenteilung. Flo konnte mit den Jungs witzeln und wurde direkt als einer von ihnen anerkannt – Hauptthema: Frauen.
Helen stand den ganzen Tag im kühlen, nach Schokolade duftenden Raum und machte die Feinarbeit.
Insgesamt hat uns die Arbeit dort super gut gefallen und wir durften sogar gratis die Schokoladentour mitmachen und lernten einige interessante Facts über die Kakaobohne und -verarbeitung:

Der Kakaobaum braucht 5 Jahre bis er Früchte trägt. Diese reifen wiederum 2 Monate am Baum bis man sie ernten kann. Die neue Hybrid Züchtung trägt etwa bis sie 15 Jahre alt ist, bringt dafür jedes Jahr sehr viel Ertrag. Die traditionelle, ecuadorianische Pflanze kann bis zu 100 Jahre alt werden, wobei die Früchte mit dem Alter des Baumes immer besser werden. Die Früchte der traditionellen Pflanze sind gelb, die der Hybrid Züchtung rot. Jeweils bestehen die Bohnen zur Hälfte aus Kakaobutter. Auch eine chemische Behandlung mit Pestiziden verändert die Früchte: Die Bohnen sind viel größer, aber haben weniger Geschmack. Ökologisch angebauter Kakao hat kleinere, dickere Bohnen, mit intensivem Geschmack. Wenn die Frucht geerntet ist werden Bohnen herausgepuhlt, 4 Tage fermentiert, 20 Tage getrocknet, eine knappe Stunde geröstet, grob gemahlen, per Luftkanal werden die Schalen von den Kakaostückchen (Nibs) getrennt. Die Schalen können als Tee verwendet werden, die Nibs werden weiterverarbeitet. Sie werden fein gemahlen, bis eine cremige Masse daraus wird. Diese wir dann 3 Tage lang conchiert. Aus dieser Kakaorohmasse kann nun entweder Kakaopulver und Kakaobutter hergestellt werden oder Schokolade. Das Pulver kann für heiße Schokolade oder zum Backen verwendet werden, die Butter für weiße Schoko oder Lippenbalsam, Bodylotion etc. Je nachdem wie bitter die Schokolade werden soll, wird gar keiner oder bis zu 33% Rohrzucker der cremig, flüssigen Masse zugefügt und nun beginnt die Feinarbeit.
Die Masse muss auf exakte Temperaturen erhitzt und wieder abgekühlt werden, damit die Tafeln nicht weiß anlaufen. Je nachdem welche Sorte hergestellt wird, werden dann Nüsse, Kaffee, Ingwer o.ä. hinzugefügt. Anschließend wird die Masse in Förmchen gegossen, durch Klopfen und Schütteln wird dafür gesorgt, dass die Schokolade in jede Ecke fließt und anschließend werden die Förmchen auf einer vibrierenden Platte so durchgeschüttelt, dass jedes Luftbläschen aus der Schokolade blubbert und eine knackige, dunkle Tafel entsteht. Vor dem Abpacken kommt die Qualitätsüberprüfung: Chocolatier Don Victor riecht, bricht, probiert und schaut ganz genau den Glanz der Tafel an. Ist die Schokolade zu matt wurde sie nicht exakt temperiert und muss wieder eingeschmolzen werden.
Wenn die Schokolade die strenge Qualitätsprobe besteht wird abgepackt: ab in ein Plastiktütchen, vorsichtig zu schweißen, die Schweißnaht gerade abschneiden, eine Pappschachtel mit dem Datum beschriften, einpacken, zukleben. Nun, nach etwa 30 Tagen Verarbeitung, ist das 50g Täfelchen fertig und kann für stolze 5$ verkauft werden. Klingt nach sehr viel Geld, wenn man jedoch die enorme Handarbeit die dahintersteckt gesehen hat, ist der Preis irgendwie auch gerechtfertigt. Gott sei Dank durften wir gratis etwas naschen und probieren, denn wir können uns dieses edle Produkt beim besten Willen nicht leisten.
An unserem letzten Tag in Mindo durfte Helen noch in einem kleinen Quinoa Restaurant nebenan in die Küche schauen und ein paar leckere Rezepte lernen. Flo ging in der Zeit angeln, durch die wunderschöne Landschaft spazieren und kochte unser Abendessen: Selbstgemachte Schupfnudeln mit Sauerkraut.

Jose, ein Angestellter bei "El Quetzal" erzählte uns dass seine Familie eine kleine Kakaofinca in Puerto Quito betreibt und lud uns ein, ihn dort zu besuchen. Angekommen auf der Finca bekamen wir von Josés Mutter eine Führung durch das Gelände mit leckeren Kostproben direkt vom Baum.
Dort wachsen neben Kakao alle möglichen abgefahrenen  Obst- und Gemüsesorten, von denen wir einige bisher noch nie gesehen hatten. Neben den Pflanzen (hauptsächlich Kakao, Bananen (12 verschiedene Sorten), Yucca, Zuckerrohr, Kaffee, Papaya, Zitrusfrüchte und dann noch ein paar abgefahrene Sachen) haben sie auch einige Nutztiere (Hühner, Schweine, Enten, Truthahn, Meerschweinchen, Fische) und eine kleine Käsefabrik. Abgesehen vom Kakao nutzen sie das alles hauptsächlich zum Eigenverbrauch – auch die Meerschweinchen werden hier gegrillt. Auf der gesamten Finca arbeiten sie nur ökologisch und verwenden keine chemischen Dünger oder Pestizide. Außerdem legen sie Wert auf Multikultur um Nachhaltigkeit zu gewährleisten.
Wir wurden total nett aufgenommen, bekocht und reichlich mit Leckereien ausgestattet. Außerdem waren alle so begeistert von Alfonso, dass sie ihn uns am liebsten direkt abgekauft hätten.

Um beim Aufbau nach dem Erdbeben vor vier Wochen mit anzupacken, fuhren wir an die Küste nach Pedernales, die Stadt die am stärksten zerstört wurde. Schon auf dem Weg dorthin sah man ein paar Schutthaufen, die wohl mal Häuser waren, Zelte, halb zerfallene Häuser und Schilder mit "Necesitamos ayuda". In der Stadt war fast jedes Haus eingestürzt oder sehr stark beschädigt. Wir kamen uns vor wie in einem Kriegsgebiet. An einer Polizeistelle fragten wir, wo wir uns zum Helfen melden können und wurden zu der Koordinationststelle (COE) zwischen Hilfsorganisationen, Polizei und Regierung geschickt. Dort wurden wir von einem Unicefmitarbeiter zu einem Meeting zum Thema Wasserversorgung und Hygiene in den Notunterkunft-Camps eingeladen. Die verschiedenen NGOs (u.a. Rotes Kreuz, Unicef, Accion contra el hambre (Aktion gegen Hunger), international medical corp, UNHCR, kirchliche Hilfsorganisationen) berieten sich, wie sie schnellstmöglich und effizient die Wasserversorgung sichern und mit Hygienebelehrungen Krankheiten vermeiden können. Wir waren direkt mittendrin und konnten das organisierte Chaos miterleben. Rafael, ein Spanier von Accion contra el hambre, sprach nach dem Meeting kurz mit uns und meinte wir könnten ihm bei der Vorbereitung und Durchführung von Hygieneschulungen helfen.
Am nächsten Tag fuhren wir in das Camp um uns ein Bild zu machen und wurden positiv überrascht von der guten Organisation. In Containern sind Toiletten und Duschen aufgebaut, die recht geräumigen Zelte werden von 2 – 8 Personen bewohnt und sind mit Feldbetten ausgestattet. In der Mitte des Lagers befindet sich ein kleiner "Dorfplatz" mit Volleyballnetz, einem kleinen Spielplatz und zwei großen Unicef Zelten, die entweder als Fußballfeld oder für Versammlungen dienen.
Außerdem gibt es ein paar große Pavillons mit Tischen und Stühlen und es wird eine Küche aufgebaut. Überall ist Polizei und Militär präsent, die sich um die Sicherheit der Leute kümmern. Gleichzeitig unterhalten sie aber auch die Kinder und man sieht nicht selten einen Polizisten mit Volleyball spielen oder ein kleines Kind auf dem Arm tragen. Als wir ankamen war eine Gruppe des Innenministeriums vor Ort, die mit den Kindern Lieder sang und Reime einstudierte. Umgedichtete Versionen von "Para bailar la bamba" zu "Usamos Repelente" (Lasst uns Moskitoschutz benutzen), ein Händewasch Lied und so weiter. Vor allem für die Kinder ist das Camp wie ein riesengroßes Zeltlager zum Spielen, viel Spaß und Unterhaltung. Den Älteren sah man jedoch oft die Trauer und Verzweiflung an, da viele von ihnen neben ihrem Zuhause auch Familienmitglieder und Freunde verloren haben.
Mit Rafael setzten wir uns an einen der Tische und bereiteten die Präsentation vor. Schon bald kamen ein paar neugierige Kinder und nahmen Flo und mich in Beschlag. Wir spielten Pferdchen, Flugzeug und machten schließlich einen langen Zug aus Stühlen…wobei so viele Kinder auf Flos Schoß wollten, dass wir Angst hatten der Stuhl kracht. Am Abend veranstaltete Rafael die Hygiene Sitzung und wir halfen ihm mit Protokollschreiben.
Am nächsten Nachmittag sollten wir Rafael helfen einen neuen Wassertank zu installieren. Wir gingen jedoch schon früher ins Camp um uns mit den Kindern zu beschäftigen. Wir brachten Buntstifte und Mandalas mit und hatten innerhalb kürzester Zeit 30-40 Kinder und auch Erwachsener um uns, die mit Begeisterung die Mandalas ausmalten. Flo holte später noch unseren Faden zum Armbändchen Knüpfen und brachte ein paar Frauen das Knüpfen bei. Zwischendurch spielten wir wieder Pferdchen, Flugzeug und zeigten dem ein oder anderen neugierigen Kind Alfonso. Später half Flo noch bei der Installation des Wassertanks.
Eine kleine, hartnäckige, verschmuste Gruppe kleiner süßer Kinder blieb bis zum Schluss an uns hängen, wir spielten Fangen und Verstecken zwischen den Zelten, erklärten ihnen wo Deutschland ist und dass man dort nicht mit dem Bus hinfahren kann, Flo setzte sich die Kleinen auf die Schultern und wurde mit Küssen überhäuft. Es war wirklich schwer am Ende Abschied zu nehmen.
Generell viel uns auf, dass täglich bemerkenswert schnelle Fortschritte im Wiederaufbau gemacht werden und ein unglaublich großes Zusammengehörigkeitsgefühl unter den Betroffenen herrscht.

Wir brachten noch ein paar Spiele und Klamotten, die wir ausmisten konnten ins Camp und fuhren am nächsten Tag weiter Richtung Süden, um von Puerto Lopez aus auf die "Isla de la Plata" zu fahren. Die Insel ist wie eine kleine Version der Galapagos Inseln, die man im Rahmen einer Tour an einem Tag besichtigen kann – Galapagos für Arme.
Nach einer einstündigen Fahrt auf einem 300 PS Boot kamen wir auf der Insel an und wurden von Meeresschildkröten die sich ums Boot tummelten begrüßt. Ein Guide führte uns über die Insel und zeigte die verschiedenen Pflanzen und Tiere. Und schon bald sahen wir die ersten Blaufußtölpel (eine Art Möwe mit blauen Füßen). Die Vögel waren total unerschrocken und man konnte bis auf einen halben Meter nah an sie heran. Die Aussicht von der Insel auf das tiefblaue Meer rundherum ist gigantisch. Wir kamen an immer mehr Blaufußtölpeln vorbei , entdeckten zahlreiche medizinische Pflanzen und am Ende sahen wir noch "Frigatas", schwarze Meeresvögel die wie große Schwalben aussehen. Die Besonderheit: Die Männchen haben am Hals einen roten Sack, den sie zu einem riesigen Ballon mit Luft aufblasen können um in der Balzzeit Weibchen anzulocken. Nach einem kleinen Snack auf dem Boot sprangen wir noch mit Schnorchel ins Wasser. Dort erwarteten uns ein paar der Darsteller des "Findet Nemo" Films. Unter vielen kleinen und größeren bunten Fischen in den Korallen sahen wir einen Artgenossen von "Kahn" (Halfterfisch, bei Nemo der Chef im Aquarium) und einen großen Schwarm Dories (blauer Doktorfisch) und waren überrascht: Dorie ist in Natur sehr viel größer als man denkt, bestimmt 30-40cm lang! Auf dem Rückweg zum Festland gabs noch eine Überraschung. Auf halber Strecke begleitete uns ein Schwarm Delfine für ein Stückchen, die immer wieder aus dem Wasser sprangen. Ein wirklich toller Ausflug.